
Kreative Intervention
Der Krise begegnen mit Köpfchen
Als Corvin Huber, ehemaliger Geschäftsführer und Gesellschafter von IsoPart, von den Gesellschaftern der REMOS Aircraft AG Mitte letzten Jahres zu Rate gezogen wurde, stand die Frage im Raum: Kann es REMOS schaffen?
Der Hersteller von hochwertigen Flugzeugen der Ultraleicht- und LSA-Klasse hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einige Investoren-Gespräche hinter sich, die aufgrund unzulänglicher Unternehmensstrukturen und mangels plausibler langfristiger Geschäftsstrategie scheiterten. Die Eigentümer fragten sich also zu recht, ob REMOS am Ende seiner Möglichkeiten angelangt war oder ob das Unternehmen noch Potenzial besäße.
Hätte Herr Huber dem Eigentümer in dieser denkbar ungünstigen Zeit nicht eine Erfolg versprechende Antwort und damit einen trifftigen Grund für eine Fortführung der Geschäfte geliefert, wäre das Ende von REMOS beschlossene Sache gewesen.
Der leidenschaftliche Kunstflieger und erfahrene Berater hatte eine Idee, wie er aus einer scheinbar aussichtslosen Lage eine Chance machen könnte: Gemeinsam mit dem REMOS-Team entwickelte er eine Strategie, um Investoren für das Ziel zu gewinnen, REMOS zu dem weltweit führenden Unternehmen seiner Branche zu machen.
Sylvia Hofer: Herr Huber, das Ziel schien dem Eigentümer zu diesem Zeitpunkt doch bestimmt Tollkühn. Wieso hat er trotzdem sein Go dafür gegeben, dass Sie sich auf die Suche nach Investoren machen?
Corvin Huber: Weil unsere Argumentation einleuchtend war und die Chance, dass wir Finanziers für REMOS finden, damit gegeben.
Sylvia Hofer: Wie war denn Ihre Argumentation, verraten Sie uns das?
Corvin Huber: Die Verkaufszahlen der Flugzeuge waren schon vor der Krise nicht umwerfend, die Krise hat diese Entwicklung zunächst noch verschärft. Also mussten wir die Investoren erst einmal davon überzeugen, dass REMOS durchaus ein überlegenes Produkt und eine solide Logistik hat, die Substanz also stimmt.
Sylvia Hofer: Das ist auf jeden Fall schon Mal mehr, als viele andere Firmen im Moment sagen können.
Corvin Huber: Ja, aber das alleine ist noch lange kein Grund für eine Investition. Deshalb haben wir zwei Kern-Argumente für eine Finanzierung erarbeitet:
1. Die Krise wird eine Marktbereinigung bewirken. Wenn wir jetzt also durchhalten, wird sich das allein schon deswegen lohnen, weil anschließend der Wettbewerb kleiner sein wird.
2. Zu keinem Zeitpunkt sind Marktanteile günstiger zu beschaffen als in der Krise!
Es gilt also jetzt zu investieren, wenn die anderen ihr Geld zusammenhalten.
Diesen beiden Argumenten habe ich die Hypothese zur Seite gestellt, dass auch die aktuelle Krise ein Ende haben wird, die Verkaufszahlen danach also in jedem Fall wieder steigen werden. Damit haben wir schließlich die Investoren für uns gewonnen.
Sylvia Hofer: Eine clevere Überzeugungsstrategie für den Anfang. Aber wo steht REMOS jetzt?
Corvin Huber: Nun, die Investitionsmittel sind geflossen, aber die Krise ist noch nicht vorbei. Wir sind mitten in der Umsetzung unserer Maßnahmen, doch erste Erfolge gibt es bereits: Inzwischen sind wir Marktführer im Hauptmarkt USA und haben in Europa unsere Verkaufszahlen vom letzten Jahr deutlich übertroffen. Diesen Erfolg verdanken wir auch unserer gelungenen Einführung einer Serienfertigung. Außerdem werden wir in unserer Industrie als Trendsetter für innovatives Marketing wahrgenommen.
Sylvia Hofer: Sie sind ja Mitte letzten Jahres auch CEO der REMOS Aircraft GmbH geworden. Wenn es nun etwas gibt, das andere Unternehmenslenker an diesem Beispiel lernen können, was ist das dann?
Corvin Huber: Ich glaube, es ist die Herangehensweise im Denken, die hier den Unterschied macht. Da draußen gibt es einen bunten Strauß an Maßnahmen, zu welchen man üblicherweise in schwierigen Situationen rät. Diese können durchaus in Teilbereichen Erfolge herbeiführen. Aber ich denke, außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Und damit meine ich zunächst einfach Mal, die bereits gedachten Pfade zu verlassen. Man muss schon ein "thinking out of the box" wagen, sich also gedanklich auf eine übergeordnete Ebene bewegen, um eine Situation richtig beurteilen und die Chancen und die Herausforderungen zu erkennen. Dann eine schlüssige Strategie zu entwickeln ist gar nicht so schwer.
Sylvia Hofer: Aber die schlüssige Strategie ist nicht alles.
Corvin Huber: Nein, das ist richtig: Sie brauchen selbst den Mut an das Ungewöhnliche zu glauben und sie brauchen die Stärke, davon auch noch andere zu überzeugen. Gerade wir Deutschen neigen - wie man uns oft nachsagt - dazu, lieber am Alten und Erprobten festzuhalten und uns auf nichts Neues einzulassen. Besonders in Krisenzeiten. Für uns scheint es eine besondere Herausforderung zu sein, das Andersartige überhaupt in Erwägung zu ziehen.
Sylvia Hofer: Und was ist Ihr persönliches Resümee aus diesen Erfahrungen?
Corvin Huber: Stillstand ist das Schlechteste. Bevor man nichts tut, probiert man besser etwas aus. Natürlich nicht irgendetwas. Zu den richtigen Maßnahmen gelangt man über einen professionellen, unverstellten Blick auf die Sachlage.
