
Stimmen aus dem Mittelstand
Unternehmenslenker über ihr Jahr 2009 und ihren Ausblick für 2010
Die Firma Tyczka mit Stammsitz in Geretsried bei München ist seit über 80 Jahren eine Größe im Flüssiggas- und Industriegase-Geschäft und hat sich in den letzten Jahren unter anderem durch das Forcieren Erneuerbarer Energien zum professionellen Rundum-Energieversorger entwickelt. Mit einem Umsatz von 359 Mio. Euro im Jahr 2008 gehört Tyczka zu den Marktführern seiner Branche. Peter Frieß ist seit 13 Jahren für das Unternehmen tätig und derzeit Vorsitzender Geschäftsführer von Tyczka.
Gegründet 1868 ist Silbermann bis heute ein unabhängiges, mittelständisches Familienunternehmen und einer der leistungsfähigsten Distributeure für Chemieprodukte in Süddeutschland. Über 3.800 Kunden beliefert Silbermann vom Standort Gablingen aus zum Beispiel mit Säuren, Laugen, Lösungsmitteln und Spezialitäten. Das Unternehmen ist außerdem ein beliebter Partner für Spezialistenleistungen, beispielsweise im Bereich Lohnfertigung, Gefahrenmanagement und Umwelttechnologie. Ulf Stadler ist seit zwei Jahren Geschäftsführer von Silbermann.
Sowohl Tyczka als auch Silbermann spürten im Krisenjahr den Gegenwind. Dem Sturm war das eine Unternehmen weniger, das andere mehr ausgesetzt, doch beide hielten ihr Schiff auf Kurs. Und das gelang zum Teil auf ganz unterschiedliche Weise:
Für Tyczka war bereits bei der Budgetplanung für 2009 klar, dass das bevorstehende Jahr eines werden würde, das nur mit guter Vorsorge schadlos zu überstehen sei. Konsequenterweise plante das Flüssiggas-Unternehmen geringere Mengen beim Einkauf ein. Denn Tyczka konnte ahnen, dass die Absätze 2009 stark zurückgehen würden: Auch in Zukunft werden Privathaushalte sowie Industriekunden immer mehr Maßnahmen zur Energieeffizienz ergreifen. Das bedeutet für die Industriekunden von Tyczka massive Nachfragerückgänge, die sich wiederum auf das Geretsrieder Unternehmen auswirken.
Glücklicherweise setzte 2009 zusätzlich ein Sinken der Rohölpreise ein, sodass Tyczka günstiger einkaufen konnte. Bei dem Einkauf geringerer Mengen ließ es die Firma aber nicht bewenden: Tyczka steuerte aktiv gegen die Krise, indem es Kosten senkte, die Effizienz in der Organisation steigerte, seine Qualität verbesserte und weitere Optimierungen in der Unternehmenskultur umsetzte. So gelang es dem Flüssiggas-Pionier das Jahr 2009 insgesamt sehr gut hinter sich zu bringen.
Der Chemiekalienhändler Silbermann hatte bereits 2008 einen Restrukturierungsprozess begonnen und wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen, Krisenzeiten besser begegnen zu können. Unter anderem wurde auch auf Sachbearbeiterebene mehr Verantwortung zugeordnet, ein zeitgemäßes Controlling eingeführt sowie die Vertriebsstrategie mehr auf den Kundennutzen ausgerichtet. Silbermann startete mit einem Päckchen weiterer Restrukturierungsmaßnahmen auf dem Rücken in ein schwieriges Jahr 2009. Dem Unternehmen offenbarte sich ein sehr heterogenes Bild der Absatzlandschaft: Einige seiner Kunden hatten große Schwierigkeiten durch die Krise, wie die Automobilzulieferer. Andere wiederum, beispielsweise die Molkerei-Betriebe, waren fast gar nicht von Absatzrückgängen betroffen.
In den ersten 11 Monaten setzte Silbermann 12% weniger Tonnage ab. Ein weit geringerer Rückgang, als dieser ohne die im Vorjahr eingeläuteten Vertrieb-Intensivierungsmaßnahmen ausgefallen wäre. Denn sie ermöglichten es dem Unternehmen, Nachfrageausfälle zu kompensieren.
Deshalb will sich Herr Stadler auch nicht beklagen, sondern betont, dass mit Weitsicht geführte Unternehmen auch in Krisenzeiten gut Geld verdienen können, wenn sie verstehen, dass es um den Kunden geht: „Den Ausschlag gibt ein auf den Mehrwert für den Kunden ausgerichtetes Handeln“.
Tyczka stellte die Weichen für eine krisenfeste Zukunft bereits vor 12 Jahren: 1997 begann das Unternehmen einen Change Management Prozess, der ein Firmenleben lang andauert. Damals hatte sich die Führungsmannschaft die Lage von Tyczka genau angesehen und die Wege für die weitere Unternehmensentwicklung aufgezeigt. Seit diesem Zeitpunkt baut das Unternehmen auf drei Säulen: Ökonomische, Soziale und Ökologische Nachhaltigkeit. In allen drei Bereichen arbeitet das Unternehmen stets daran, Bestleistungen zu bringen.
Das konsequente Verfolgen der damit verbundenen Ziele führte dazu, dass Tyczka für 2009 gut gerüstet war. Es musste im Krisenjahr keine Kurskorrekturen vornehmen: Das Unternehmen setzte einfach weiter auf den Vertrieb nachhaltiger Energien, die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur beispielsweise durch verbesserte Gesundheitsmaßnahmen für die Mitarbeiter und Kostensenkungen durch Innovationen im Sachkostenbereich.
Wie angestrebt wurde das Unternehmen dank der nachhaltigen Strategien ebenso investitions- wie krisenfest: Auch 2009 war Tyczka in der Lage, seine Marktführerschaft zusammen mit drei weiteren Branchengrößen zu behaupten, indem es zusätzliche Marktanteile kaufte und auf diese Weise Synergien erwirkte. Der Flüssiggas-Händler beteiligt sich vor allem an Unternehmen mit regenerativen Energien, um sich einen Zukunftsmarkt zu sichern. Die finanziellen Reserven für die Käufe 2009 hatte er in den Vorjahren geschaffen und konnte sich im Krisenjahr quasi Banken unabhängig bewegen.
Auch Silbermann setzte 2009 den Weg fort, den das Unternehmen 2008 eingeschlagen hatte und achtete dabei darauf, sich nicht zu viel aufzuladen. Darin nämlich sieht Ulf Stadler die Herausforderung, will er seiner Philosophie treu bleiben: Mit der Kundennähe kommt die Komplexität und die kann ins Geld gehen. Deshalb war für Herrn Stadler neben der Implementierung von SAP für transparente und effiziente Abläufe ebenso wichtig, die richtigen Führungskräfte für Silbermann zu gewinnen. Nur eine „handverlesene“ Mannschaft, die bereit ist, eine Meile mehr zu gehen, könne den Schwierigkeiten trotzen und Silbermann den Weg in eine neue Zukunft ebnen.
Silbermann hat wie Tyczka den großen Vorteil, sich dank hoher Eigenkapitalquote von den Banken unabhängig bewegen zu können: „Silbermann hat in seiner gesamten 142-jährigen Geschichte noch nie einen Taler, einen Pfennig oder einen Cent Darlehen in Anspruch genommen“. All die hohen Investitionen, die das Unternehmen seit Jahren tätigt, werden von den Gesellschaftern mitgetragen: Das strategische Vorgehen des Managements, das auf Mittel- und Langfristigkeit setzt , hat das Vertrauen der Gesellschafter errungen. Sie sind vom Erfolg überzeugt.
Wie so oft bei erfolgreichen Unternehmungen spielen auch bei Tyczka Größen eine Rolle, die es nur bedingt beeinflussen konnte: Noch vor 20 Jahren war Flüssiggas chancenlos gegen die großen Energielieferanten wie Rohöl, Kohle und Erdgas.Heute ist die Energie Flüssiggas weitaus wettbewerbsfähiger – auch, weil die Unternehmen der Branche „ihre Hausaufgaben gemacht haben“, wie Peter Frieß sagt. Die Energie punktet mit Umweltverträglichkeit, einem im Verhältnis günstigen Preis und einer guten Versorgungssicherheit.
Entsprechend schlugen sich auch die Wettbewerber von Tyczka in diesem Jahr sicherlich gut, meint Herr Frieß. Doch die Konkurrenz investiert stark in Autogas. Das ist eine Strategie, von der das Geretsrieder Unternehmen nicht überzeugt ist. Im Verhältnis zu den hohen Investitionskosten ist die Auslastung der Tankstellen zu gering. Und Peter Frieß sieht diese sogar sinken: Die Zulassungen der mit Flüssiggas betriebenen Autos steigt nicht entsprechend und ist begrenzt. Stattdessen liegt für Herrn Frieß die Zukunft in Konzepten, bei welchen regenerativ erzeugte Energien zum Einsatz kommen, wie beispielsweise Elektroautos, die via Carports aufgeladen werden.
Auf die Frage nach der Konkurrenz reagiert Ulf Stadler mit Humor: Diese habe ihre Hausaufgaben bereits gemacht gehabt, als Silbermann letztes Jahr „wachgeküsst“ wurde. Ansonsten hatte es die Branche 2009 insgesamt nicht leicht. Der Wettbewerb reagiert auf den Marktrückgang mit großflächigen Zusammenschlüssen. Doch dieser Verdrängungswettbewerb wird auch von den Kunden kritisch gesehen: Keiner möchte aufgrund eines „Oligopols“ von einzelnen Lieferanten abhängig werden. Silbermann geht mit dieser Wahrnehmung sensibler um: Der Chemie-Händler betritt lieber weniger ausgetretene Pfade und fokussiert sich auf innovative Ansätze, die auf die Kundeninteressen ausgerichtet sind.
Wie wird das Jahr 2010? Der Vorsitzende Geschäftsführer von Tyczka reagiert auf diese Frage ebenso verhalten wie alle anderen von imagIsoPart Befragten: Wie Herr Stadler, Herr Dr. Brock und Herr Dittmann ist auch Herr Frieß der Meinung, dass das Jahr 2010 schwieriger werden wird als 2009. Einhellig vertreten die Unternehmenslenker die Meinung, dass trotz aller positiven Signale die Wirtschaftskrise noch nicht überwunden ist und nächstes Jahr bei der Bevölkerung erst richtig ankommen wird: Steigende Arbeitslosenzahlen und ein Rückgang des Konsums sind die Eckgrößen, mit welchen die Manager rechnen.
Dies bleibt natürlich nicht ohne Konsequenzen für die Wirtschaft: Peter Frieß sieht eine besondere Herausforderung in den Insolvenzen, mit welchen er in gehäufter Zahl 2010 rechnet. Diesen will er mit einem verbesserten Debitorenmanagement begegnen. Herr Frieß fühlt sich aber gut gerüstet für 2010, da Tyczka durch die gute Cashposition auch im kommenden Jahr seine Strategie der Zukäufe von Marktanteilen verfolgen und so letztlich Strukturkosten senken können wird.
In das kommende Jahr blickt Ulf Stadler für Silbermann mit Zuversicht: „Die in den letzten eineinhalb Jahren ausgestreute Saat wird 2010 und in den Folgejahren aufgehen“. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sieht Herr Stadler wie erwähnt kritisch: „Ich weiß nicht, wo der selbsttragende Marktaufschwung herkommen soll“.
Auch für Silbermann liegt ein großer Schwerpunkt 2010 auf dem Forderungsmanagement. Ulf Stadler will bei den sehr bescheidenen Margen im Chemiehandel lieber auf ein Geschäft verzichten, wenn sich klamme Neukunden ankündigen, als ein zu großes Risiko eingehen. Für ihn gilt auch im kommenden Jahr „Cash is King“.
Drei Fähigkeiten spielen für Ulf Stadler die entscheidende Rolle, die er gemeinsam mit seinem neuen Führungsteam und dem gesamten Unternehmen einsetzen will: Aufmerksam bleiben, über den Tellerrand gucken und gemeinsam gestalten. Dadurch will Herr Stadler eine so positive Arbeitsatmosphäre schaffen, dass die Belegschaft Spaß daran hat, immer wieder „eine Schippe drauf zu legen“. Auf diese Weise wird es dem Chemie-Unternehmen gelingen, trotz schwieriger Vorzeichen mutig eigene Wege zu gehen und dabei stets den Kundennutzen im Blick zu haben. Gestalten und Innovation leben – das ist für Herrn Stadler eine Grundeinstellung.
Herr Frieß legt einen Schwerpunkt auf eine starke Mannschaft, die er weiter stärken will. Vertrauen spielt für ihn dabei die Schlüsselrolle. Das Vertrauen seiner Mitarbeiter erlangt er durch Transparenz und Teilhabe, die zu einer guten Kommunikation beitragen. Daraus wächst letztendlich ein selbstverantwortliches Handeln jedes Einzelnen.
Tyczka soll ein Unternehmen sein, in dem jeder Mitarbeiter für sich sagen kann „Ich tue etwas, das ich gut kann, mit Menschen, die einander verstärken, für ein Ziel von dem ich überzeugt bin, das es sinnvoll ist.“ Dafür will sich Peter Frieß auch im nächsten Jahr mit aller Kraft einsetzen.
Im Namen von IsoPart bedanken wir uns bei beiden Interview-Partnern noch einmal von Herzen für das Gespräch und den Einblick in die Unternehmensvorgänge.
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