Die Ärmel sind hochgekrempelt, die Auftragsbücher füllen sich und die Kollegen kommen aus der Kurzarbeit zurück. Das ifo bestätigt, was deutsche Arbeitnehmer und –geber in den letzten Wochen spüren: Die Konjunktur zieht an. Jetzt müssen es sich die Unternehmen leisten können, neue Projekte vorzufinanzieren, weitere Gehälter für zusätzliche Mitarbeiter zu bezahlen und in modernere Gerätschaften zu investieren.
Die Zahl der Arbeitslosen nimmt weiter ab und ist in Deutschland heute bereits wieder auf Vorkriseniveau. Die Wachstumsprognosen für 2010 werden deutlich nach oben korrigiert. Und auch die Prognosen für 2011 stimmen feierlich: Die führenden Forschungsinstitute rechnen in ihren Herbstgutachten beispielsweise mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 3,5% für 2010 und immerhin noch von 2,0% für 2011. Eigentlich gibt es also nichts zu meckern.
Doch gerade der Aufschwung wird für manche Unternehmen zur ernsten Bedrohung: In der Krise hat die Zahlungsfähigkeit vieler Unternehmen gelitten. Die Bonität dieser Firmen ist gefährdet. Nun fehlt ihnen die Liquidität, um die höheren Umsatzerlöse im Aufschwung vorzufinanzieren. Für manche Unternehmen wird es tatsächlich paradox: Je mehr Aufträge sie jetzt bekommen, umso höher ist ihr Insolvenzrisiko.
Der Knackpunkt dieser Gefahr ist die Kreditvergabe: Um jetzt einen Kredit von der Bank zu erhalten, müssen die Unternehmen ihre Bilanzen von 2009 vorlegen. Diese dürften zumeist recht schlecht ausfallen. Die Banken müssen daher die Ratings für die Firmen herabstufen.
Für die Banken wird es schwerer, an diese Firmen Kredite zu vergeben, weil sie dafür einen höheren Sicherheitspuffer schaffen müssen. Doch damit nicht genug, denn gleichzeitig wirft Basel III seinen Schatten voraus: Schon im Jahr 2015 müssen die Banken bereits eine Kernkapitalquote (ohne Ergänzungskapital) von 6% vorweisen – derzeit handelt es sich um 4%. Das bedeutet, dass die Banken von vornherein nun mehr Eigenkapital für die Kredite hinterlegen müssen, die sie vergeben. So wird es für sie in zweierlei Hinsicht schwer, Kredit zu gewähren.
Dennoch gibt es Möglichkeiten, sich aus dieser misslichen Lage herauszumanövrieren:
Eine Chance zur Liquiditätsgewinnung bietet die Finanzierung über Factoring. Hierfür werden Forderungen aus Warenlieferungen an ein Factoring-Unternehmen gegen Cash verkauft. Wenn die Warenversicherer mitspielen, bei denen diese Warenlieferungen versichert werden, ist das eine gute Finanzierungsmöglichkeit. Seit der Krise haben diese jedoch die Zahl der einbezogenen Unternehmen und auch die zur Verfügung gestellten Limits drastisch reduziert. Bis Dezember 2010 greift die Bundesregierung hier noch unterstützend ein und stellt im Rahmen eines Rückgarantieprogramms Mittel zur Verfügung (Stichwort Top-up-Deckung).
Daneben gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, über ein aktives Management der Betriebsmittel (Working-Capital-Management) intern die Finanzierung in den Griff zu bekommen. Ziel dabei ist, Vorräte abzubauen, die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zu reduzieren und die Zahlungsziele der Lieferantenverbindlichkeiten zu erhöhen. Dies gelingt durch die Optimierung der damit einhergehenden Prozesse.
Zunächst muss eine ganzheitliche Ursachenanalyse klären, wo es hakt: Ob zum Beispiel ein hoher Forderungsbestand aus Prozessmängeln in der Debitorenbuchhaltung resultiert oder ob es fehlerhafte Abläufe in der Produktion gibt, was aus einer hohen Zahl von Reklamationen geschlossen werden kann.
Im Anschluss an die umfassende Analyse werden Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Prozesse definiert und umgesetzt: Zum Beispiel könnten Zahlungsbedingungen standardisiert und Verantwortlichkeiten im Mahnprozess klar festgelegt werden.
Zielt eine der Maßnahmen auf die Senkung der Vorratsbestände ab, muss berücksichtigt werden, dass die Lieferfähigkeit des Unternehmens nicht beeinträchtigt werden darf. In die Überlegung einzubeziehen sind die Puffereffekte des Vorrats zum Beispiel bei Maschinenausfällen, Verzögerungen bei den Zulieferern oder fehlerhafte Teile in der Produktion.
Dies sind nur wenige der Hebel, die in Bewegung gesetzt werden können, wenn der Schritt in die Liquiditätsfalle vermieden werden soll. Erfreulicherweise wirkt sich eine Prozessoptimierung nicht nur auf die Bonität aus: Nebeneffekte sind eine Reduktion der Kosten und die Beseitigung von Ineffizienzen. Darüber hinaus sind Working-Capital-Kennziffern oft maßgebliche Treiber im Banken-Rating. Es lohnt sich also, diese Option genauer unter die Lupe zu nehmen, um erfolgreich die Äcker zu bestellen, die sich jetzt anbieten.
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Quellen:
http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/herbstgutachten-institute-heben-deutschland-prognose-drastisch-an;2672249
www.uni-due.de/imperia/md/content/car/handelsblatt-14.10.2009.pdf
http://www.welt.de/finanzen/article3737951/Tarife-fuer-Kreditversicherungen-steigen-drastisch.html
http://www.bvmw.de/landesverband-bayern/geschaeftsstellen/nuernberg/geschaeftsstelle-nuernberg-ost/standpunkte/kreditklemme.html
http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/wir_brauchen_dreimal_mehr_kapital_1.7788195.html
Heinz-Jürgen Klepzig – Working Capital und Cash Flow, Gabler Verlag, 2. Auflage 2010, Wiesbaden
Die Zahl der Arbeitslosen nimmt weiter ab und ist in Deutschland heute bereits wieder auf Vorkriseniveau. Die Wachstumsprognosen für 2010 werden deutlich nach oben korrigiert. Und auch die Prognosen für 2011 stimmen feierlich: Die führenden Forschungsinstitute rechnen in ihren Herbstgutachten beispielsweise mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 3,5% für 2010 und immerhin noch von 2,0% für 2011. Eigentlich gibt es also nichts zu meckern.
Doch gerade der Aufschwung wird für manche Unternehmen zur ernsten Bedrohung: In der Krise hat die Zahlungsfähigkeit vieler Unternehmen gelitten. Die Bonität dieser Firmen ist gefährdet. Nun fehlt ihnen die Liquidität, um die höheren Umsatzerlöse im Aufschwung vorzufinanzieren. Für manche Unternehmen wird es tatsächlich paradox: Je mehr Aufträge sie jetzt bekommen, umso höher ist ihr Insolvenzrisiko.
Der Knackpunkt dieser Gefahr ist die Kreditvergabe: Um jetzt einen Kredit von der Bank zu erhalten, müssen die Unternehmen ihre Bilanzen von 2009 vorlegen. Diese dürften zumeist recht schlecht ausfallen. Die Banken müssen daher die Ratings für die Firmen herabstufen. Für die Banken wird es schwerer, an diese Firmen Kredite zu vergeben, weil sie dafür einen höheren Sicherheitspuffer schaffen müssen. Doch damit nicht genug, denn gleichzeitig wirft Basel III seinen Schatten voraus: Schon im Jahr 2015 müssen die Banken bereits eine Kernkapitalquote (ohne Ergänzungskapital) von 6% vorweisen – derzeit handelt es sich um 4%. Das bedeutet, dass die Banken von vornherein nun mehr Eigenkapital für die Kredite hinterlegen müssen, die sie vergeben. So wird es für sie in zweierlei Hinsicht schwer, Kredit zu gewähren.
Dennoch gibt es Möglichkeiten, sich aus dieser misslichen Lage herauszumanövrieren:
Eine Chance zur Liquiditätsgewinnung bietet die Finanzierung über Factoring. Hierfür werden Forderungen aus Warenlieferungen an ein Factoring-Unternehmen gegen Cash verkauft. Wenn die Warenversicherer mitspielen, bei denen diese Warenlieferungen versichert werden, ist das eine gute Finanzierungsmöglichkeit. Seit der Krise haben diese jedoch die Zahl der einbezogenen Unternehmen und auch die zur Verfügung gestellten Limits drastisch reduziert. Bis Dezember 2010 greift die Bundesregierung hier noch unterstützend ein und stellt im Rahmen eines Rückgarantieprogramms Mittel zur Verfügung (Stichwort Top-up-Deckung).
Daneben gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, über ein aktives Management der Betriebsmittel (Working-Capital-Management) intern die Finanzierung in den Griff zu bekommen. Ziel dabei ist, Vorräte abzubauen, die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zu reduzieren und die Zahlungsziele der Lieferantenverbindlichkeiten zu erhöhen. Dies gelingt durch die Optimierung der damit einhergehenden Prozesse.
Zunächst muss eine ganzheitliche Ursachenanalyse klären, wo es hakt: Ob zum Beispiel ein hoher Forderungsbestand aus Prozessmängeln in der Debitorenbuchhaltung resultiert oder ob es fehlerhafte Abläufe in der Produktion gibt, was aus einer hohen Zahl von Reklamationen geschlossen werden kann.
Im Anschluss an die umfassende Analyse werden Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Prozesse definiert und umgesetzt: Zum Beispiel könnten Zahlungsbedingungen standardisiert und Verantwortlichkeiten im Mahnprozess klar festgelegt werden.
Zielt eine der Maßnahmen auf die Senkung der Vorratsbestände ab, muss berücksichtigt werden, dass die Lieferfähigkeit des Unternehmens nicht beeinträchtigt werden darf. In die Überlegung einzubeziehen sind die Puffereffekte des Vorrats zum Beispiel bei Maschinenausfällen, Verzögerungen bei den Zulieferern oder fehlerhafte Teile in der Produktion.
Dies sind nur wenige der Hebel, die in Bewegung gesetzt werden können, wenn der Schritt in die Liquiditätsfalle vermieden werden soll. Erfreulicherweise wirkt sich eine Prozessoptimierung nicht nur auf die Bonität aus: Nebeneffekte sind eine Reduktion der Kosten und die Beseitigung von Ineffizienzen. Darüber hinaus sind Working-Capital-Kennziffern oft maßgebliche Treiber im Banken-Rating. Es lohnt sich also, diese Option genauer unter die Lupe zu nehmen, um erfolgreich die Äcker zu bestellen, die sich jetzt anbieten.
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Quellen:
http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/herbstgutachten-institute-heben-deutschland-prognose-drastisch-an;2672249
www.uni-due.de/imperia/md/content/car/handelsblatt-14.10.2009.pdf
http://www.welt.de/finanzen/article3737951/Tarife-fuer-Kreditversicherungen-steigen-drastisch.html
http://www.bvmw.de/landesverband-bayern/geschaeftsstellen/nuernberg/geschaeftsstelle-nuernberg-ost/standpunkte/kreditklemme.html
http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/wir_brauchen_dreimal_mehr_kapital_1.7788195.html
Heinz-Jürgen Klepzig – Working Capital und Cash Flow, Gabler Verlag, 2. Auflage 2010, Wiesbaden