
Kräfte für den Endspurt
Wie Sie sich durch Achtsamkeit stärken und widerstandsfähiger machen
Das Feld der Lebensratgeber ist weit. Bei der Recherche, was zu tun sinnvoll sein könnte, wurde uns klar: Es gibt keine Tipps, die für alle gleichermaßen gelten. Hinzu kommt, dass es für alle schlüssigen Methoden und Mittel meist genauso viele Gegenargumente gibt. Exemplarisch dafür stehen die zahlreichen, meist widersprüchlichen Ernährungsempfehlungen. Dennoch sind wir auf etwas gestoßen, das konsequent angewandt Energiereserven schaffen und Verbesserungen im Gesamtbefinden herbeiführen dürfte: Achtsamkeit.
Gemeint ist damit eine „absichtsvolle Aufmerksamkeit in nicht-wertender Offenheit“. Achtsamkeit, oder auch Mindfulness, ist fundamentaler Bestandteil der meditativen Praktiken aller buddhistischen Traditionen. Dennoch handelt es sich nicht um einen religiösen Begriff, sondern um einen „Zustand des menschlichen Geistes, der sich in den fundamentalen Aktivitäten des Bewusstseins gründet: Aufmerksamkeit und Bewusstheit“, erläutert Dr. Hölzel von der Havard Medical School. Inzwischen konnte in neurowissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden, dass ein regelmäßiges Achtsamkeitstraining positive Effekte auf Gesundheit und Wohlbefinden hat.
Dr. Ulrich Ott, einer der führenden deutschen Forscher auf diesem Gebiet, geht davon aus, dass dabei der Verlauf der Nervenbahnen im Gehirn umstrukturiert wird. Achtsamkeit ermöglicht eine tiefgreifende Änderung der Perspektive: Praktizierende sind in der Lage, die Inhalte ihres Bewusstseins zu beobachten und nicht mehr automatisch auf bestimmte Reize zu reagieren. Das Ergebnis: Steigerung der Lebenszufriedenheit, Selbstwertschätzung und wahrgenommenen Autonomie.
Um das zu erreichen muss man nicht täglich mehrere Stunden zum Meditieren in den Keller gehen. Dr. Ott meditiert beim Autofahren. Denn Achtsamkeit ist eine Geisteshaltung, kein Ritual.
Der gesunde Menschenverstand legt nahe, dass diese Haltung ein Paradigma sein könnte, unter welchem auch Ernährung, Sport, Genussmittel und nicht zuletzt auch die Arbeit betrachtet werden sollten.
Wer „achtsam“ isst, trinkt, Sport treibt, den Börsenkurs verfolgt, mit den Kollegen umgeht und seine täglichen Aufgaben erledigt, müsste – das lässt sich aus den Expertenaufzeichnungen schließen – besser in der Lage sein, mit Stressfaktoren oder negativen Reizen umzugehen. Außerdem dürfte er dabei selbst herausfinden, was ihm gut tut und was nicht.
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Quellen:
http://www.stern.de/wissen/mensch/meditationsforscher-achtsamkeit-veraendert-das-gehirn-662478.html
Britta K. Hölzel: Achtsamkeitsmeditation: Aktivierungsmuster und morphologische Veränderungen im Gehirn von Meditierenden. Kumulativ-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Naturwissenschaften, Dr. rer. nat., der Fakultät für Naturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Giessen, 2007
Shauna L. Shapiro, Linda E. Carlson, John A. Astin, Benedict Freedman: Mechanisms of Mindfulness. In: Wiley Periodicals, Inc. J Clin Psychol 62: 373– 386, 2006.
